Aktueller Rundbrief: Ausgabe 3 – März 2020

Hier steht Ihnen der monatliche Rundbrief der BTK-Geschäftsstelle mit Aktuellem rund um die Bundestierärztekammer und den tierärztlichen Beruf zur Verfügung.

 

HINWEISE AUFGRUND DER VERBREITUNG DES CORONAVIRUS

Durch die aktuelle Situation entstehen insbesondere für praktizierende Kolleginnen und viele spezifische Fragen und Herausforderungen. Durch das Einstellen und ständige Aktualisieren von Informationen auf ihren Webseiten, möchten BTK und einige Landes-/Tierärztekammern Sie so gut es geht unterstützen.

Unter www.bundestieraerztekammer.de finden Sie z. B. Antworten auf die Frage, welche Folgen ein möglicher eingeschränkter Publikumsverkehr für Ihre Praxis/Klinik haben könnte, welche wirtschaftlichen Entschädigungsmöglichkeiten es gibt und es werden Tipps für den Praxisablauf gegeben. Auch Informationen zum allgemeinen Infektionsschutz sowie Links zu weiterführenden ‧Informationen sind in den Hinweisen enthalten. Die BTK setzt sich insbesondere dafür ein, dass der Tierarztberuf offiziell als systemrelevant definiert wird. Erste entsprechende Mitteilungen der Länderregierungen sind inzwischen bei uns eingegangen.

 

STAATLICHE FÖRDERUNG BEIM KRISENMANAGEMENT IM UNTERNEHMEN TIERARZTPRAXIS

(mitgeteilt von Dirk Brennecke)

Das Coronavirus und die damit verbundenen gesetzgeberischen Maßnahmen haben die unternehmerischen Rahmenbedingungen in der Bundesrepublik Deutschland branchenübergreifend innerhalb kürzester Zeit radikal verändert. Praxisinhaber sehen sich mit Fragestellungen konfrontiert, die nur schwer planbar sind und in Kombination mehrerer Ereignisse sogar Existenz bedrohende Ausmaße annehmen können.

Unter ökonomischen Gesichtspunkten besitzt die Liquiditätssicherung oberste Priorität, d. h. die Zahlungsfähigkeit im unternehmerischen und im privaten Bereich rücken in den Fokus der Betrachtung. Demzufolge sollte eine Analyse der Liquiditäts- und Vermögenssituation vorgenommen werden, um einen Überblick über offene Forderungen und Verbindlichkeiten zu erhalten. Gleiches gilt für etwaige Liquiditätsreserven, die zur Überbrückung finanzieller Engpässe oder Umsatzrückgänge zu verzeichnen sind. Zur Stärkung der Liquidität in Zeiten des Umsatzrückgangs können Kosten reduziert, Stundungsvereinbarungen getroffen und Zahlungsziele mit Lieferanten oder Vermietern vereinbart werden. Dabei handelt es sich um Aktivitäten, die Praxisinhaber selbst vornehmen können, wenn Zeit und betriebswirtschaftliches Know-how vorhanden sind.

Weitere Entlastungen kann das Unternehmen Tierarztpraxis extern durch die Inanspruchnahme von Krediten, Bürgschaften, Steuererleichterungen oder Entschädigungen erfahren. Im Bereich des Personalmanagements besitzt die Beantragung von Kurzarbeitergeld eine besondere Bedeutung.

Was sich auf den ersten Blick verlockend liest ist jedoch bei genauerem Hinsehen mit einigen Erfordernissen und bürokratischem Aufwand verbunden. Zunächst müssen die Richtlinien, Fördervoraussetzungen und die Vergaberegularien verstanden und umgesetzt werden. Darüber hinaus sind Unterlagen wie Gewinnermittlungen, betriebswirtschaftliche Auswertungen und Planungsrechnungen nicht selten ein wesentlicher Bestandteil bei Kreditentscheidungen.

Um diese Prozesse zu beschleunigen, kann professionelle Unternehmensberatung in Anspruch genommen werden, die von staatlicher Seite zwischen 50 und 90 Prozent gefördert werden. Die Förderung des Beratungshonorars i. H. v. 90 Prozent bezieht sich auf die Beratung von Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten und kann auch von Tierarztpraxen in Anspruch genommen werden. Die Förderung zu allen anderen betriebswirtschaftlichen Themen beträgt 50 Prozent des Beratungshonorars.

Das Programm „Förderung unternehmerischen Know-hows" sieht unter dem Einfluss der CoronaPandemie Erleichterungen vor, die sich auf die Beantragung der Fördermittel und die Durchführung des Beratungsmandats beziehen. Demnach können Informationsgespräche telefonisch vorgenommen und Beratungsmandate ohne Präsenzpflicht vor Ort durchgeführt werden. Auch die Beantragung der Fördermittel erfolgt online mit sehr geringem Verwaltungsaufwand.

 

SARS-COV-2 /COVID-19: WELCHE ROLLE SPIELEN HAUS- UND NUTZTIERE?

Rund um die aktuellen Entwicklungen bezüglich der Verbreitung des neuartigen Coronaviruses SARSCoV-2 tauchen zunehmend Fragen zu der epidemiologischen Bedeutung von Heim- und Nutztieren auf. Die Antworten auf die aktuell häufigsten Fragen hat das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) beantwortet:

Können sich Schweine, Hühner und andere bei uns übliche Nutztiere/Lebensmittel liefernde Tiere mit SARS-CoV-2 infizieren und es weiterverbreiten? 

Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass sich Nutztiere mit SARS-CoV-2 infizieren können. Daher ist auch eine Untersuchung von Schlachttieren auf SARS-CoV-2 zum jetzigen Zeitpunkt nicht sinnvoll. Das FLI hat Studien zur Empfänglichkeit von Tieren gegenüber SARS-CoV-2 begonnen, mit ersten belastbaren Ergebnissen ist allerdings nicht vor Ende April zu rechnen.

Können Katzen und Hunde SARS-CoV-2 auf den Menschen übertragen oder sich bei infizierten Personen anstecken? 

Es gibt weiterhin keine Hinweise darauf, dass Hunde oder Katzen ein Infektionsrisiko für den Menschen darstellen (siehe auch Einschätzung des European Centre for Disease Control und der WHO) oder eine Rolle bei der Verbreitung von SARS-CoV-2 spielen.

Bisher gibt es auch keinen wissenschaftlich belegbaren Hinweis auf eine epidemiologisch relevante Infektion von Haustieren durch infizierte Personen.

Darüber hinaus werden Antworten auf die Fragen gegeben, wie mit Haustieren von in häuslicher Quarantäne befindlichen Personen umgegangen werden soll, woher SARS-CoV-2 kommt und welche anderen Coronaviren bei Haus- und Nutztieren vorkommen.

Die Informationen werden vom FLI stets auf dem neuesten Stand der wissenschaftlichen Kenntnisse gehalten.

 

REFERENZLABOR FÜR DURCH LEBENSMITTEL ÜBERTRAGBARE VIREN AM BFR

Das neue Nationale Referenzlabor (NRL) für durch Lebensmittel übertragbare Viren ist am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) angesiedelt.

Die Bedeutung von Viren, die über Lebensmittel übertragen werden können und zu Erkrankungen des Menschen führen, hat in den letzten Jahren zugenommen. Hierbei spielen besonders Noro- und Rotaviren, die Gastroenteritis auslösen, und Hepatitis A- und E-Viren, eine wichtige Rolle. Neben Einzelerkrankungen sind in der Vergangenheit durch Virus-kontaminierte Lebensmittel auch große Erkrankungsausbrüche ausgelöst worden, z. B. durch Noro- und Hepatitis A-Viren in Tiefkühlbeeren oder durch Noroviren in Austern.

Bisher gab es in Bezug auf Viren in Lebensmitteln nur das NRL für Viren und Bakterien in zweischaligen Weichtieren, das u. a. für die Qualitätssicherung von amtlichen Virusanalysen in Muscheln zuständig war. Da andere Lebensmittelarten, die eine wichtige Bedeutung bei virusbedingten Krankheitsausbrüchen in der Vergangenheit gespielt hatten, hierdurch nicht abgedeckt waren, wurde bereits im Juli 2017 durch die EU ein European Union Reference Laboratory (EURL) for Foodborne Viruses in Uppsala, Schweden, eingerichtet. Parallel dazu wurde das EURL for Monitoring Bacteriological and Viral Contamination in Bivalve Molluscs aufgelöst und dessen bisherige Aufgaben auf bestehende Erreger-spezifische EURLs aufgeteilt. Das NRL für durch Lebensmittel übertragbare Viren wird molekularbiologische Nachweise, Quantifizierungen und Typisierungen von Viren in Lebensmitteln durchführen. Die Bereitstellung von Referenzmaterialien für den Virusnachweis in Lebensmitteln sowie die Durchführung von Laborvergleichsuntersuchungen ist geplant. Weiterhin wird das NRL bei Aufgaben im Rahmen der Zoonosen-Überwachungsrichtlinie 2003/99/EG mitwirken und bietet Beratung und Bereitstellung wissenschaftlicher Expertise bezüglich des Virusnachweises in Lebensmitteln an.

 

FUCHSBANDWURM-MEDIKATION BEI EINREISE NACH NORWEGEN UND FINNLAND

Eine amtlich tätige Kollegin aus Finnland bat uns, Sie über folgendes zu informieren: Für die Einreise nach Norwegen und Finnland ist zusätzlich zum Chip, der Tollwutimpfung und dem korrekt ausgefüllten Heimtierpass auch eine Medikation gegen den Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) vorgeschrieben. Anders als Schweden sind beide Länder noch frei von diesem Parasiten. Deshalb ist ein bis fünf Tage vor Einreise von Hunden eine Behandlung mit einem praziquantel- oder epsiprantelhaltigen Antiparasitikum erforderlich, die vom Tierarzt in den Heimtierpass eingetragen werden muss.

 

INFORMATIONEN ZUR BON-PFLICHT

Die Tierärztekammer Nordrhein hat zum Thema Belegausgabepflicht (Bon-Pflicht) und Kassen einen Frage-Antwort-Katalog zusammengestellt, der über ihre Homepage abrufbar ist.

 

NEUE INFOMATERIALIEN DER BGW: GESUND ARBEITEN IN DER TIERMEDIZIN

Wer in der Tiermedizin tätig ist, trägt statistisch gesehen ein relativ hohes berufliches Unfallrisiko. Für mehr Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit in tierärztlichen Einrichtungen hat die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) neue Infomaterialien herausgebracht – darunter eine überarbeitete Version der Broschüre „BGW check – Gefährdungsbeurteilung in der Tiermedizin" und einen Flyer zur Weitergabe an Tierhalter.

Weitere Informationen und Angebote für tierärztliche Praxen: www.bgw-online.de/tiermedizin 

Hier sind auch die neuen Medien zu finden: 

  • Broschüre: BGW check – Gefährdungsbeurteilung in der Tiermedizin
  • Flyer: Tipps für einen entspannten Tierarztbesuch – Katzen und Hunde (zur Information der Halterinnen und Halter)
  • Plakat: Tipps für einen entspannten Tierarztbesuch – Katzen und Hunde (zum Aushang in der Praxis)
  • Flyer: Tipps für eine entspannte Untersuchung – Pferde (zur Information der Besitzerinnen und Besitzer)
  • Film: Pferde in der tierärztlichen Praxis: Gefahren vermeiden – sicher arbeiten

 

ZECKENAUFRUF LÄUFT WEITER

Zur weiteren Erforschung der Hyalomma-Zecke sowie der Braunen Hundezecke und zur Zeckenforschung in Deutschland im Allgemeinen hat die Universität Hohenheim ihren Aufruf zum Einsenden von Zecken erneuert. Bei Hyalomma interessiert die Experten neben den Krankheitserregern u. a. auch, ob sich die Tropenzecke in Deutschland mittlerweile nicht nur auf Pferden, sondern auch auf Rindern wiederfindet und wann die ersten Zecken auftreten. Bei der Braunen Hundezecke erhofft man sich Kenntnisse darüber, ob sie inzwischen nicht nur in Wohnungen, sondern aufgrund der veränderten Wetterbedingungen auch im Freien überwintern können.

Unter den über 3.500 Zecken aus sechs verschiedenen Gattungen, die im letzten Jahr eingesandt wurden, befanden sich auch Exemplare der tropischen Hyalomma-Zecke und der Braunen Hundezecke. Diese wurden von den Wissenschaftler der Universität Hohenheim in Kooperation mit dem Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr und der Tierärztlichen Hochschule Hannover auf die Erreger des Krim-Kongo Hämorrhagischen Fiebers und des Arabisch Hämorrhagischen Fiebers, auf das Zecken-Fleckfieber ausgelöst durch Rickettsia aeschlimannii und auf Piroplasmen (Babesia spp. und Theileria spp.) untersucht. Nachgewiesen wurde lediglich der Erreger des Zecken-Fleckfiebers in 41 der untersuchten Tropenzecken.

Festgesogene Zecken können fachgerecht entfernt und in kleinen, festverschlossenen Behältern mit dem Vermerk „Zecken" eingesandt werden an: Universität Hohenheim, Prof. Dr. Ute Mackenstedt, Fachgebiet für Parasitologie, Emil-Wolff-Straße 34, 70599 Stuttgart.

 

BEHANDLUNG VON FOHLEN OHNE EQUIDENPASS: UMFRAGE DER FU BERLIN

Die Klinik für Pferde der FU Berlin führt im Rahmen der Erstellung eines Übersichtsartikels zur aktuellen arzneimittelrechtlichen Lage im Umgang mit Fohlen ohne Equidenpass für das Journal „Pferdeheilkunde" eine Umfrage bei den Landes-/Tierärztekammern durch. Ziel des Artikels ist es, einen Überblick über die Vorgehensweise in den verschiedenen Bundesländern zu geben und nochmals eindringlich auf die Wichtigkeit des korrekten arzneimittelrechtlichen Umgangs mit behandlungsbedürftigen Fohlen ohne Equidenpass hinzuweisen. Die FU Berlin bittet um eine Rückmeldung zur aktuellen Vorgehensweise in Ihrem Bundesland. Des Weiteren interessiert sie, ob sich das bisherige System aus Ihrer Sicht als praktikabel erwiesen hat oder ob Sie planen, dies in naher Zukunft umzugestalten. Haben Sie das Gefühl, dass sich die Tierärzte Ihres Landes zum großen Teil über die korrekte rechtliche Vorgehensweise bewusst sind, und sich auch daran halten? 

Die erhaltenen Informationen werden in einem Artikel im Journal „Pferdeheilkunde" veröffentlicht, um die Tierärzte bundesweit für dieses Thema zu sensibilisieren. 

Ansprechpartnerin ist:

Prof. Dr. Heidrun Gehlen,                                                                                                                       

DipECEIM Fachtierärztin für Pferde,                                                                                                     

Teilgebietsbezeichnung Innere Medizin Klinik für Pferde, Allg. Chirurgie und Radiologie                                      

Freie Universität Berlin                                                                                                                       

Heidrun.Gehlen@fu-berlin.de

 


Inhalte Deutsches Tierärzteblatt März 2020

 

Hinweis zu Terminangaben

Aufgrund der Corona-Krise sind viele Fort- und Weiterbildungskurse sowie sonstige Veranstaltungen abgesagt worden. Da es produktionsbedingt leider nicht möglich war, alle Änderungen im Heft abzubilden, erkundigen Sie sich bitte direkt bei den Veranstaltern über den aktuellen Stand.

Anerkennung

Welche Chancen haben geflüchtete Tierärzte in Deutschland? Auf der Basis historischer und aktueller Daten machen Dr. Melanie Schweizer und Prof. Dr. Johann Schäffer auf die Bedeutung von Migration und Integration für den tierärztlichen Berufsstand aufmerksam.

Frachtbestimmungen

Immer mehr Fluggesellschaften ändern ihre Frachtbestimmungen dahingehend, dass sie Hunde und Katzen brachyzephaler Rassen nicht mehr mitfliegen lassen. Begründet wird das v. a. mit der Gefahr von Todesfällen aufgrund von Atemnot, wie Prof. Dr. Achim Gruber und Dr. Friedrich Röcken mitteilen.

Haftungsrecht

Rechtsanwältin Olivia-Nathalie Haverkamp stellt die Entwicklung der Tierarzthaftung dar, wobei auf die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen der Arzthaftung und der Tierarzthaftung eingegangen wird, und richtet ein besonderes Augenmerk auf die Ankaufsuntersuchung.

Tätigkeitsbericht

Aufgrund der Corona-Pandemie musste die Frühjahrs-Delegiertenversammlung der BTK zwar abgesagt werden, der Tätigkeitsbericht des Präsidenten, Dr. Uwe Tiedemann, wird dennoch veröffentlicht.

Termine 2020

21. April  AG GOT Telefonkonferenz
17./18. September Erweitertes Präsidium Berlin
18./19. September Herbst-Delegiertenversammlung Berlin

Mit freundlichen Grüßen
Ihre BTK-Geschäftsstelle

 

*Quellen der jeweiligen Artikel sind die angegebenen Links. 

powered by webEdition CMS