Aktueller Rundbrief: Ausgabe 7 – Juli 2019

Hier steht Ihnen der monatliche Rundbrief der BTK-Geschäftsstelle mit Aktuellem rund um die Bundestierärztekammer und den tierärztlichen Beruf zur Verfügung.

Mindest- und Höchstgebühren können gegen EU-Recht verstoßen

In der auch für die Tierärzteschaft wichtigen Diskussion auf EU-Ebene um die Rechtmäßigkeit von Gebührenordnungen gab es nun ein Urteil. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) sieht in den Mindest- und Höchstgebühren in der deutschen Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) aufgrund der verbindlichen Gebührensätze der HOAI einen Verstoß gegen die Dienstleistungsrichtlinie 2006/123/EG und die Niederlassungsfreiheit.

In diesem speziellen Fall ist die Festsetzung von Mindestpreisen in der HOAI zum Qualitätsschutz aber nicht kohärent geregelt, weil Planungsleistungen nicht bestimmten Berufsständen (hier Architekten und Ingenieuren) vorbehalten sind, die einer berufs- oder kammerrechtlichen Aufsicht unterliegen. Das Argument der Qualitätssicherung greift hier für den EuGH nicht, da auch andere nicht reglementierte Dienstleister Planungsleistungen erbringen dürfen, die nicht ihre entsprechende fachliche Eignung nachgewiesen haben.  

Das klare Anerkenntnis des EuGH, das Mindestgebühren grundsätzlich zur Sicherung der Qualität von Dienstleistungen beitragen können, ist aus Sicht der Tierärzteschaft in Bezug auf die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) erfreulich.

Hinsichtlich der Umsetzung kann der deutsche Gesetz- und Verordnungsgeber nun entscheiden, ob er die Mindest- und Höchstgebühren der HOAI abschaffen will, oder die Erbringung von Planungsleistungen bestimmten reglementierten Berufen vorenthält. Für die GOT ergibt sich zunächst keine unmittelbare Auswirkung, da das Urteil klar auf die Vorgaben der HOAI zugeschnitten ist. Wichtig ist die konkretisierte Fortbildungspflicht für Tierärzte, die die hohe Qualität der tierärztlichen Leistungen gewährleistet, da die strengen Zugangsbeschränkungen zum tierärztlichen Beruf v. a. mit der Qualität der tierärztlichen Leistungen begründet sind.

 

Wege aus dem Notdienstdilemma – Notdienst quo vadis?

Um aus dem Dilemma der Notdienstversorgung herauszukommen, strebt die Tierärztekammer Sachsen-Anhalt die Gründung einer Notfalldienstpraxis an. Diese Praxis soll ausschließlich die Versorgung von Notfällen außerhalb der Sprechzeiten sicherstellen.

Kolleginnen und Kollegen mit Berufserfahrung, die an einer langfristigen Tätigkeit mit ausschließlichem und ständigem Nachtdienst in einer Notdienstpraxis interessiert sind, werden gebeten, sich bei der Tierärztekammer Sachsen-Anhalt zu melden (Tel. +49345575412-0, poststelle@taek-lsa.de).
Dr. Klaus Kutschmann

 

Bericht zur Evaluierung der 16. AMG-Novelle erschienen

Um der Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen im Bereich der Tierhaltung entgegen zu wirken, wurde in Deutschland im Jahr 2014 mit der 16. Novelle des Arzneimittelgesetzes ein nationales Antibiotikaminimierungskonzept und eine Antibiotikadatenbank für Masttiere eingeführt. Dieses Konzept wurde nun vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) evaluiert.

Es wurden die Antibiotikaabgabemengen von pharmazeutischen Unternehmen an Tierärzte im Zeitraum 2011 bis 2017 um 57 Prozent von 1706 t auf 733 t gesenkt. Die Gesamtverbrauchsmenge an antibiotischen Wirkstoffen, die für die sechs Nutzungsarten Aufzuchtferkel, Mastschweine, Masthühner, Mastputen, Mastkälber und Mastrinder seit dem zweiten Halbjahr 2014 erhoben wird, sank zum zweiten Halbjahr 2017 um 31,6 Prozent von 298 t auf 204 t. Ein wie auch immer geartetes „Ausweichverhalten“ fand nicht statt und es gab auch keine Verschiebung in Richtung der sogenannten Reserveantibiotika. Auch Long acting/One Shot-Präparate wurden nicht eingesetzt, um die Therapiehäufigkeit zu senken. Vor allem aber zeigt sich schon jetzt eine Verbesserung der Resistenzsituation bei bestimmten Bakterien.

Bundesministerin Julia Klöckner sieht die Branche hier in der Pflicht zu handeln und erwartet konkrete Vorschläge und Aktivitäten, um für eine dauerhafte Verbesserung der Situation in ihren Betrieben zu sorgen. Die Ministerin kündigte in diesem Zusammenhang an, Vertreter der Branche zeitnah zu einem Gespräch in ihr Ministerium einzuladen.

 

Braune Hundezecke gesucht: Uni Hohenheim forscht an eingewanderter Zeckenart

Die Universität Hohenheim bittet die Bevölkerung um Hilfe bei ihrem Forschungsprojekt zur Braunen Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus). Ab sofort können auf einer speziell eingerichteten Webseite unter http://hundezecken.uni-hohenheim.de  Funde der Zecke mit Bild gemeldet werden. In dem neuen Forschungsprojekt soll die Zeckenart genau untersucht werden: Von ihrer Häufigkeit, Verbreitung, über mögliche Krankheitserreger bis zur Frage, wie man sie eigentlich richtig loswird.

 

1Das warme und v.a. trockene Klima in Wohnungen ist ideal für die Braune Hundezecke.

 © Universität Hohenheim/Katrin Fachet

 

Die eigentlich im Mittelmeerraum und Nordafrika heimische Zecke scheint sich neuerdings auch in Deutschland wohlzufühlen – v. a. in Wohnungen. Nach Deutschland gebracht wird sie wohl mit Urlaubern, vermutet Prof. Dr. Ute Mackenstedt, Parasitologin und Expertin für Zecken an der Universität Hohenheim. Es seien aber auch schon Exemplare an Hunden gefunden worden, die ihren Hof nie verlassen hatten. Die Braune Hundezecke kann schnell zu einer Plage werden, denn ein Hundezeckenweibchen kann bis zu 4.000 Eier legen – Holzbockweibchen schaffen es nur auf 2.000 Eier. Innerhalb weniger Monate hätte man dann schnell mehrere Tausend Zecken in der Wohnung.

Normalerweise befällt diese Zeckenart fast ausschließlich Hunde. Ist die Population aber zu groß, ist sie nicht wählerisch und befällt den Menschen. FSME- oder Borrelioseerreger wurden bisher nicht in dieser Zeckenart festgestellt. Die Braune Hundezecke könne aber zu schweren Erkrankungen der Hunde führen. Auch auf den Menschen übertragbare Krankheiten wie das Mittelmeer-Fleckfieber, ausgelöst durch Rickettsien, bringe sie mit sich.

 

BfT-Leitfaden zur Durchführung von Antibiogrammen Anforderung und Grenzen

Die Zweite Änderungsverordnung der Tierärztlichen Hausapothekenverordnung, die seit dem 01.03.2018 in Kraft ist, verlangt von der deutschen Tierärzteschaft u. a. die vermehrte Durchführung von Antibiogrammen. Die Arbeitsgruppe Resistenzen des Bundesverbands für Tiergesundheit (BfT) hat bereits im Januar 2019 zur Unterstützung der praktizierenden Tierärzte auf 22 Seiten einen Überblick zu den Methoden zur Empfindlichkeitsbestimmung, den Anforderungen an die Probennahme, die Erregeridentifikation und die Durchführung der Tests sowie deren Interpretation erarbeitet. Für eine intensivere Auseinandersetzung mit der Thematik wird jeweils auf weiterführende Literatur verwiesen.

Der Leitfaden wurde nun mit Blick auf einige Fachkommentare aktualisiert und auf BfT-Webseite veröffentlicht.

Bitte beachten Sie auch die Publikationen im Deutschen Tierärzteblatt:

 

ASP-Risikoampel ist online

Mit einer von der Universität Vechta, dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) und weiteren Organisationen aus Wissenschaft und Wirtschaft entwickelten Risikoampel für die Afrikanische Schweinepest (ASP), haben Landwirte ab sofort die kostenfreie Möglichkeit, die individuelle betriebliche Biosicherheit zum Schutz vor der ASP freiwillig und anonym bewerten zu lassen (http://www.risikoampel.uni-vechta.de).

Die Risikoampel beinhaltet 111 Fragen, die den Bereichen Sicherung des Betriebs, Sicherung des Stalls und Arbeitsabläufe zugeordnet sind. Die Landwirte beantworten die Fragen über ein Multiple-Choice-System, wobei das Onlinetool in einem zweistufigen Verfahren automatisch bewertet, wie stark jeder Aspekt das Risiko eines ASP-Eintrags verringert oder erhöht. Das Ergebnis nach Ampelfarben visualisiert und gibt Auskunft über die erreichte Risikoklasse. So sollen Landwirte gemeinsam mit dem Tierarzt oder Berater in der Lage versetzt werden, präventiv notwendige Verbesserungen vorzunehmen.

  • Quelle: AgE 26/2019

 

WHO-Liste mit Critically Important Antimicrobials for Human Medicine

Die FVE hat darauf hingewiesen, dass die WHO eine Überarbeitung ihrer Liste mit wichtigen Antibiotika veröffentlicht hat. Die WHO Advisory Group on Integrated Surveillance of Antimicrobial Resistance (AGISAR) überprüft und aktualisiert die WHO-Liste der für die Humanmedizin wichtigen antimikrobiellen Mittel alle zwei Jahre. In der 6. Auflage wurden die Penicilline mit engem Wirkspektrum von "Critically Important" auf "Highly Important" herabgestuft. Außerdem wurden nach Auskunft der FVE Änderungen bei den Makroliden vorgenommen.

Gemeinschaft freier Tierärzte e. V. gegründe


Gemeinschaft freier Tierärzte e. V. gegründet

Am 31.05.2019 hat sich die Gemeinschaft freier Tierärzte e. V. (GfT) gegründet. Die GfT ist ein bundesweiter Verbund freier und unabhängiger, inhabergeführter Tierarztpraxen und Tierkliniken und möchte sich für eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung der Tiermedizin und der inhabergeführten Praxen und Kliniken einsetzen. Der Verein kritisiert, die Tiergesundheit sei zum Spekulationsobjekt geworden und würde den finanziellen Interessen von Großkonzernen unterworfen. Beteiligungsgesellschaften würden tierärztliche Einrichtungen aufkaufen, um bei deren Veräußerung hohe Gewinne zu erzielen. Als Folge dieser Entwicklung sei die Dienstbereitschaft dieser Einrichtungen gefährlich eingeschränkt. Die Gesundheit von Tieren und damit auch der Tierschutz dürfe aber nicht dem wirtschaftlichen Diktat von Konzernen und Investoren unterworfen werden. Nach eigenen Angaben steht die GfT für gute Tiermedizin und eine faire Beratung der Tierbesitzer.

Webseite der GfT


 

Verfügbarkeit von Impfstoffen gegen BTV

Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) hat erneut auf die Notwendigkeit einer Impfung von Rindern und kleinen Wiederkäuern gegen das Blauzungenvirus (BTV) hingewiesen. Laut FLI hat es seit Jahresbeginn bis zum 19. Juni insgesamt 57 Ausbrüche der Blauzungenkrankheit im Bundesgebiet gegeben. Nachdem die Verfügbarkeit des BTV-Impfstoffs im ersten Halbjahr 2019 aufgrund eines plötzlichen Anstiegs der Nachfrage zu Jahresbeginn „in hohem Maße eingeschränkt“ war, dürften laut den Ergebnissen einer Abfrage bei den Herstellern der in Deutschland zugelassenen BTV-Impfstoffe bald sukzessive mehr Dosen zur Verfügung stehen. Auch das niedersächsische Landwirtschaftsministerium rief erneut dazu auf, die Tiere durch eine Impfung zu schützen. Das Risiko einer Ausbreitung des Virus durch Gnitzen sei zwischen Mai und Oktober besonders hoch. Nur eine großflächige Impfabdeckung biete Schutz vor den wirtschaftlichen Verlusten durch Leistungseinbußen oder Handelsrestriktionen. Dabei sei zu berücksichtigen, dass bis zur Ausbildung eines wirksamen Impfschutzes im Falle eines erstmals behandelten Rindes Wochen vergingen, so das Ministerium. Zudem könnten nur wirksam geimpfte Tiere uneingeschränkt aus Restriktionsgebieten gebracht werden.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat inzwischen eine Erleichterung der Handelsbeschränkungen mit Italien, den Niederlanden und Spanien erreicht. Demnach dürfen unter 70 Tage alte Kälber von ungeimpften Muttertieren wieder aus den deutschen Restriktionsgebieten in diese Länder exportiert werden.

  • Hinweis zur Verfügbarkeit von BTV-Impfstoffen
  • Quelle: AgE 26/2019

 

Umfrage: Wie gelangen Hundebesitzer zu ihrer Impfentscheidung?

Eine am Fachbereich Tiermedizin der Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen entwickelte Umfrage soll in Erfahrung bringen, wie Hundebesitzer zu ihrer Entscheidung gelangen, ihre Hunde impfen zu lassen oder nicht. Hierfür wird um die Beantwortung eines Onlinefragebogens für die jeweiligen Zielgruppen gebeten.

Unterschieden werden folgende Varianten des Fragebogens:

1.       Hundebesitzer finden die Umfrage unter dem Link: https://surveys.hrz.uni-giessen.de/limesurvey/index.php/286115?lang=de

2.        Züchter von Hunden beantworten die Fragen bitte unter diesem Link: https://surveys.hrz.uni-giessen.de/limesurvey/index.php/545979?lang=de

Voraussetzung für die Teilnahme an der Studie ist der mindestens sechsmonatige Besitz eines Hundes.

Ihre Meinung als Kolleginnen und Kollegen ist jedoch ebenfalls gefragt! Einen Fragebogen für Tierärzte (unabhängig von einer praktischen Tätigkeit) finden Sie unter: https://surveys.hrz.uni-giessen.de/limesurvey/index.php/987999?lang=de.

Die JLU Gießen bedankt sich für Ihre rege Teilnahme!

 


Inhalte Deutsches Tierärzteblatt August 2019

FVE

Keine Tiertransporte bei hohen Temperaturen! Keine Zertifikatsunterzeichnungen bei unklaren oder nicht plausiblen Routen! Die Amtstierärzte sollen nicht alleine gelassen werden! Die Federation of Veterinarians of Europe (FVE) stellt sich erneut dem Thema Tiertransporte und insbesondere der Langstreckentransporte und fordert auf, zu handeln. Eine Notiz von Dr. Cornelia Rossi-Broy.

Wollschwein

Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e. V. (GEH) ernennt jährlich eine „Gefährdete Nutztierrasse“, um deutlich zu machen, dass neben den Wildtieren und Wildpflanzen auch in der Landwirtschaft der Verlust der Vielfalt eingezogen ist. In diesem Jahr fiel die Wahl auf das Wollschwein, das in diesem Beitrag vorgestellt wird.

Antibiotikaabgabemengen 2018

In Deutschland sind pharmazeutische Unternehmen und Großhändler seit 2011 gesetzlich dazu verpflichtet, die Menge der an Tierärzte abgegebenen Antibiotika an das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) zu melden. Die Auswertung erfolgt durch das Bundesamt für Verbraucherschutz  und Lebensmittelsicherheit (BVL). Das Ergebnis für 2018 wird hier zusammengefasst und mit den Zahlen aus den vorhergehenden Jahren verglichen.

Registrierkassen

Eine Pflicht zur Nutzung einer genormten Registrierkasse besteht weiterhin nicht. Vorhandene elektronische Kassensysteme müssen aber vom 01.01.2020 an besondere Sicherheitseinrichtungen enthalten, wie Holger Lorenz hier kurz erläutert.

 

Termine 2019

13. August AG Biosicherheit Telefonkonferenz
16. August Präsidium Berlin
27. August BTK-Ausschuss für Tierschutz Berlin
12./13. September Erweitertes Präsidium Berlin
13./14. September Herbst-Delegiertenversammlung Berlin
18. September BTK-Ausschuss für Pferde Berlin
29. Oktober Juristischer Arbeitskreis Berlin

Mit freundlichen Grüßen
Ihre BTK-Geschäftsstelle

 

*Quellen der jeweiligen Artikel sind die angegebenen Links.