Aktueller Rundbrief: Ausgabe 5 – Juli 2018

Hier steht Ihnen der monatliche Rundbrief der BTK-Geschäftsstelle mit Aktuellem rund um die Bundestierärztekammer und den tierärztlichen Beruf zur Verfügung.

EVALUATION 16. AMG-NOVELLE – IHRE ERFAHRUNGEN SIND GEFRAGT

Für Bestände verschiedener Tierkategorien gilt seit dem 01.04.2014 infolge der 16. Novelle des Arzneimittelgesetzes (AMG) eine Meldepflicht für jeden Einsatz von Antibiotika. Die Wirkung dieser Vorschrift soll nun zur Erarbeitung eines Evaluationsberichts für den Deutschen Bundestag zurückgemeldet werden. Daher hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) die Firma SAFOSO mit der Erstellung eines Evaluationsberichts beauftragt. Die Tierärztinnen und Tierärzte, die solche Bestände betreuen, sind in ihrer täglichen Arbeit von den Regelungen betroffen – daher bilden ihre Erfahrungen und Meinungen dazu einen wichtigen Teil des Berichts. Dafür wird Ihre Unterstützung benötigt – mit Ihrer Beteiligung an der bundesweiten Umfrage kann ein präzises Bild von Nutzen und Herausforderungen der Regelungen erstellt werden. Beantworten Sie den Fragebogen – es dauert nicht länger als ca. 15 Minuten. Die Teilnahme ist anonym.
Um den Fragebogen vor unberechtigtem Zugang zu schützen, ist der Link nicht direkt zugänglich. Sie finden den Link, indem Sie sich mit Ihrem Zugang in HI-Tier einloggen und die Tierarzneimittel/Antibiotika-Datenbank aufrufen.

 

ANÄSTHESIE GEHÖRT NICHT IN LAIENHAND

Vom 01.01.2019 an wird es in Deutschland verboten sein, Ferkel ohne Betäubung zu kastrieren. Die Bundestierärztekammer (BTK) spricht sich entschieden gegen den sogenannten „4. Weg" mit Anwendung von Lokalanästhetika durch den Tierhalter als Alternative zu der betäubungslosen Ferkelkastration aus. Voraussetzung für die Rechtskonformität der chirurgischen Ferkelkastration unter Lokalanästhesie ist das Erreichen einer wirksamen Schmerzausschaltung, wie die Bundesregierung zuletzt auf eine kleine Anfrage der FDP zur „Zukunft der deutschen Ferkelerzeugung nach dem 31.12.2018" mitteilte. Nach bisherigen Studien wird bei der Ferkelkastration mit Procain aber keine ausreichende Schmerzausschaltung erreicht. Es gibt zurzeit drei rechtlich mögliche Alternativen zur Verminderung des Ebergeruchs: Die Ebermast, die Immunokastration bzw. „Eberimpfung" mit Improvac® sowie die Kastration unter Allgemeinanästhesie. Es ist zwar gängige Praxis, kleine Eingriffe unter Lokalanästhesie vorzunehmen, doch die Injektionen in Richtung der Samenstränge können oft nicht präzise platziert werden – schon gar nicht, wenn sie durch Laien im Akkord vorgenommen werden. Abgesehen von dem Risiko einer nicht ausreichenden Schmerzausschaltung durch eine ungenaue Applikation, ist bei dieser Vorgehensweise nicht auszuschließen, dass versehentlich auch eine lebensgefährliche intravasale Injektion erfolgt. Auch können Wundheilungsstörungen in Folge des Vorfalls der betäubten Samenstrangstümpfe vorkommen. Wenn der „4. Weg" also nicht nur eine kostengünstige Täuschung des Verbrauchers sein soll, muss eine wirksame Schmerzausschaltung garantiert sein.

Pressemitteilung der BTK vom 27.06.2018

 

MINOR SPECIES MELDEN

Es ist sehr wichtig unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAWs) von „Minor Species" zu melden, um das Risiko von Tierarzneimitteln einzuschätzen. Für kleine Wiederkäuer und Neuweltkameliden gibt es nur einen geringen Absatzmarkt für Tierarzneimittel. Zugelassene Präparate für Schafe und Ziegen gibt es hauptsächlich für die Indikationsgruppen Antiparasitika, Antiinfektiva, Infusionslösungen, Vitamin- und Mineralstoffpräparate und bei Ziegen zusätzlich auch für Dermatika. Für Neuweltkameliden sind in Deutschland aktuell gar keine Tierarzneimittel zugelassen. Somit bleibt den Tierärzten nur eine im Rahmen des Therapienotstands gemäß § 56a Arzneimittelgesetz durchgeführte Umwidmung, um „Minor Species" zu behandeln.
Wenn UAWs auftreten, müssen diese unbedingt den Behörden gemeldet werden. Die Erfassung und Bewertung der UAWs wird von den zuständigen obersten Bundesbehörden durchgeführt: Für Tierarzneimittel vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und für Tierimpfstoffe vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI).
Neben dem Meldeverhalten (leider gehen nur wenige Meldungen ein) spielen auch die Größe der nationalen Tierbestände sowie die Haltungsform und mit dieser die Möglichkeit des Erkennens von Symptomen eine große Rolle für die Erfassung. Durch das „Underreporting" muss derzeit davon ausgegangen werden, dass die tatsächliche Inzidenz von UAWs deutlich höher liegt als die den Behörden bekannte Häufigkeit.

Artikel bei Vetline
BVL | PEI
Online-Meldung UAW
• Informationen zu UAWs auf der BTK-Webseite

 

GEFLÜGELPEST-RISIKOAMPEL

Die Universität Vechta hat zusammen mit dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), dem Niedersächsischen Geflügelwirtschaftsverband e. V. (NGW), der QS Fachgesellschaft Geflügel GmbH und dem Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V. (ZDG) bei einer Fachtagung die neu entwickelte Geflügelpest-Risikoampel vorgestellt. Das ab sofort zur Verfügung stehende Onlinetool bietet Landwirten die kostenfreie Möglichkeit, die individuelle betriebliche Biosicherheit bewerten zu lassen, besonders die zum Schutz vor Geflügelpest ergriffenen Maßnahmen. Dadurch können Betriebe noch besser Vorsorgemaßnahmen zum Schutz des eigenen Geflügelbestands treffen, um so Seuchenzüge wie zuletzt 2016/17 zu vermeiden.
Die fachliche Basis der Ampel lieferten 19 Experten aus Wissenschaft, tierärztlicher und landwirtschaftlicher Praxis sowie Behördenvertreter aus ganz Deutschland. Über ein Multiple-Choice-System beantworten die Landwirte die Fragen, wobei das Tool in einem zweistufigen Verfahren automatisch bewertet, wie stark jeder Aspekt das Risiko eines Geflügelpesteintrags verringert oder erhöht. Das Ergebnis ist ein nach Ampelfarben visualisiertes Ergebnis, das Auskunft über die erreichte Risikoklasse gibt, was einen konkreten praktischen Nutzen für den Landwirt hat. In einer Optimierungsanalyse werden alle Risikofaktoren ihrer Bedeutung gemäß aufgelistet und konkrete Hinweise zur Umsetzung im Betrieb gegeben. Mit diesem Ampelsystem kann jeder Geflügelhalter regelmäßig überprüfen, ob das eigene Biosicherheitskonzept den Betrieb noch optimal schützt.

Geflügelpest-Risikoampel der Universität Vechta
Pressemitteilung des ZDG

STUDIE: VERBREITUNG VON PARATUBERKULOSE BEI REH-, DAM-, MUFFEL- UND ROTWILD

Marie Sange, Doktorandin am Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo), untersucht das Auftreten von Paratuberkulose bei Reh-, Dam-, Muffel- und Rotwild. Paratuberkulose ist eine entzündliche Darmerkrankung, die hauptsächlich bei Wiederkäuern, aber auch bei anderen Tierarten auftritt. Sange analysiert, ob Kotproben der Wildwiederkäuer Mycobacterium avium ssp. paratuberculosis enthalten. Um aussagekräftige Ergebnisse zu den Infektionsraten zu erhalten, benötigt sie möglichst viele Proben. Dafür bittet sie Jäger um Unterstützung: Um an der Studie teilzunehmen, müssten sie Kotproben von erlegtem Reh-, Dam-, Muffel- und Rotwild in einem Probengefäß sammeln und ihr zusenden. Die Probengefäße und die Anleitung für die Entnahme der Proben werden von ihr gestellt. Damit die Probe frisch bleibt, ist es erforderlich, die Kotprobe im Kühl- oder im Gefrierschrank aufzubewahren. Unter https://www.tiho-hannover.de/index.php?id=7266 finden Sie weitere Informationen und die Anleitung für die Probenentnahme.

Für fachliche Rückfragen wenden Sie sich gern an:
Marie Daniéle Sange
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung
Tel.: +49 511 856-7566

Pressemitteilung der TiHo

 

 


Inhalte Deutsches Tierärzteblatt August 2018

 

Tierschutz bei der Schlachtung

Aufgrund der in Fachkreisen aufgekommenen Forderung nach einer Videoüberwachung an Schlachthöfen, hat sich die BTK entschieden, ihr Positionspapier zum Tierschutz bei der Schlachtung von Tieren um diesen und weitere Punkte zu ergänzen.

Digitalisierung und künstliche Intelligenz

Prof. Dr. Robert Klopfleisch und Christof Bertram (FU Berlin) erläutern in diesem Beitrag, welche Chancen Digitalisierung und künstliche Intelligenz der Veterinärmedizin bieten.

Tierärzte ohne Grenzen e. V.

Wenn Tiere leben bedeuten – ist das Motto von Tierärzte ohne Grenzen e. V. unter dem der Verein Projekte in der humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit in Kenia, Äthiopien, Somalia sowie im Sudan und Südsudan durchführt. Antonia Brause berichtet hier über ein Projekt im südlichen Äthiopien, wo sich Tierärzte ohne Grenzen e. V. der Milzbrandbekämpfung widmet.

 

 

Termine 2018

25. Juli Präsidium Berlin
29. August BTK-Ausschuss für Pferde Berlin
11. September Erweitertes Präsidium Dresden
12. September Herbst-Delegiertenversammlung Dresden
12. September ATF-Mitgliederversammlung / öffentliche Beiratssitzung Dresden
13./14. September 28. Deutscher Tierärztetag mit Festakt Dresden

Mit freundlichen Grüßen
Ihre BTK-Geschäftsstelle

 

*Quellen der jeweiligen Artikel sind die angegebenen Links.