Aktueller Rundbrief: Ausgabe 1 – Januar 2023

Hier steht Ihnen der monatliche Rundbrief der BTK-Geschäftsstelle mit Aktuellem rund um die Bundestierärztekammer und den tierärztlichen Beruf zur Verfügung.

 

BTK-Pressekonferenz anlässlich der Internationalen Grünen Woche

Anlässlich der Internationalen Grünen Woche in Berlin fand am 20.01.2023 die Pressekonferenz „Tierärzt:innen im Tierschutz: Expertise, die genutzt werden muss!“ der Bundestierärztekammer (BTK) statt.

 
Dr. Uwe Tiedemann, Dr. Iris Fuchs, Dr. Sylvia Heesen und Prof. Dr. Achim Gruber bei der 
BTK-Pressekonferenz am 20. Januar in Berlin.

Warum die Expertise der Tierärzteschaft für den Tierschutz signifikant ist und wie v. a. der Staat diesen Berufsstand noch mehr unterstützen und fördern kann, haben drei Expert:innen erläutert.

Dr. Iris Fuchs, 1. Vizepräsidentin der BTK, referierte darüber, wie die Gesundheit der (Nutz-)Tiere von verschiedensten Faktoren und deren komplexen Wechselwirkungen beeinflusst wird.

Um Tierschutzverstöße in landwirtschaftlichen Betrieben zu vermeiden, sei die intensive Einbindung der Tierärzteschaft essenziell. So würden sich z. B. durch eine regelmäßige Analyse aller Tiergesundheitsparameter, Krankheitsursachen frühzeitig erkennen und umgehen lassen. In der Folge sei auch der Arzneimitteleinsatz reduziert. Die Tierärzteschaft sei somit ein integraler Bestandteil der öffentlichen Gesundheitsvorsorge und des gesundheitlichen Verbraucherschutzes.

Dr. Sylvia Heesen, 2. stellvertretende Vorsitzende der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT) und Co-Leiterin des Arbeitskreises „Tierschutz für Nutztiere“ beim Deutschen Tierärztetag im September 2022, erklärte, dass der Umgang mit schwer erkrankten oder verletzten Einzeltieren deutlicher Verbesserungen bedarf. Das zeige z. B. eine Analyse aktueller Tierschutzprobleme in der Nutztierhaltung. Es bleibe gemeinsame Aufgabe der Tierärzteschaft und der Tierhaltenden, vermeidbare Schmerzen, Leiden und Schäden des einzelnen Lebewesens durch mangelhaften Umgang, mangelhafte Versorgung, leistungsüberfordernde Zucht und nicht bedürfnisgerechte Haltung von Tieren zu verhindern. Um dieser Aufgabe bestmöglich nachkommen zu können, sei sich die Tierärzteschaft einig, dass der Staat dafür auch die rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen müsse. Entsprechend forderte der Deutsche Tierärztetag den Gesetzgeber auf, im Sinne des Staatsziels Tierschutz im Grundgesetz, Verstößen gegen das Tierschutzgesetz eine hohe Priorität einzuräumen.

Prof. Dr. Achim Gruber, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Tierpathologie der Freien Universität Berlin zeigte anschaulich, wie krank gezüchtete Heimtiere leiden und wie sich die Tierärzteschaft gegen die Folgen von Defektzuchten (sog. Qualzuchten) und Inzucht bei Hunden, Katzen und anderen Klein- und Heimtieren engagiert.

Um in ihrem Einsatz gegen diese Zuchtpraxis unterstützt zu werden, benötige die Tierärzteschaft z. B. die Umsetzung des geltenden Rechts durch Veterinärbehörden und Staatsanwaltschaften und eine deutliche Präzisierung und Schärfung der Gesetzgebung mit klaren Handlungsgrundlagen. Auch die Einführung eines Heimtierzuchtgesetzes müsse in diesem Zusammenhang diskutiert werden.

· BTK-Pressemitteilung (inkl. Zusammenfassungen der Referierenden) vom 20.01.2023

 

West-Nil-Virus war auch 2022 wieder deutlich sichtbar

Im Jahr 2022 bestätigte das Nationale Referenzlabor für West-Nil-Virus-Infektionen am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) 17 Fälle bei Pferden und 54 bei Wild- und Zoovögeln. Die Mehrzahl der Infektionen wurde wiederum in den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen sowie einige in Thüringen nachgewiesen, Gebiete, die bereits in den letzten Jahren betroffen waren.

Erstmals wurde eine Infektion bei einem Pferd im Großraum Hamburg bestätigt sowie zwei Infektionen bei Wildvögeln aus diesem Gebiet. Eine weitere Erkrankung wurde bei einem Pferd in Südwest-Mecklenburg (Landkreis LUP) festgestellt, das Tier hatte wie im ersten Fall keine Reiseanamnese. Erstmalig waren zudem im Bundesland Sachsen der Landkreis Görlitz, im Bundesland Sachsen-Anhalt der Landkreis Altmarkkreis Salzwedel und im Bundesland Thüringen der Landkreis Kyffhäuserkreis betroffen. All diese Nachweise deuten auf eine sichtbare Ausbreitung des Virus im Jahr 2022 hin.

Weiterhin wurde das Virus erstmals bei einem Seehund (Phoca vitulina) aus Berlin nachgewiesen, der infolge zentralnervöser Symptomatik verstarb.

Das West-Nil-Virus etablierte sich seit dem ersten Fall im Jahr 2018 v. a. in den oben genannten östlichen Bundesländern. Erfahrungsgemäß ist auch im Jahr 2023 mit Beginn der Stechmückensaison wieder mit Erkrankungsfällen bei Pferden und Vögeln zu rechnen.

Gemäß Empfehlungen der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) am FLI sollten Pferde in den bereits betroffenen Gebieten und Pferde, die in betroffene Gebiete verbracht werden, vorab geimpft werden. Zur Anwendung an Vögeln sind derzeit keine Impfstoffe zugelassen. Das FLI führt erste Pilotstudien durch, die aufzeigen sollen, wie wertvolle Zoovögel vor einer Erkrankung geschützt werden können.

· FLI-Kurznachricht vom 16.01.2023

 

Präsident Lothar Wieler verlässt das Robert Koch-Institut

Der Tierarzt Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Lothar H. Wieler verlasse das Robert Koch-Institut (RKI) auf eigenen Wunsch zum 01.04.2023, teilten das Bundesgesundheitsministerium und das RKI gemeinsam mit.

Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Lothar H. Wieler,  Quelle: BrauerPhotos/J.Reetz

Demnach will sich Wieler „neuen Aufgaben in Forschung und Lehre“ widmen. Der Schritt sei im Einvernehmen mit Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) erfolgt. Wieler war in der Corona-Pandemie eine zentrale Figur.

Insbesondere zu Beginn informierte er regelmäßig bei Pressekonferenzen z. B. über die Entwicklung der Infektionszahlen.

· Beitrag im Tagesspiegel vom 11.01.2023

 

BMEL-Eckpunkte für tiergerechtere Mastputenhaltung

Eckpunkte für eine tiergerechtere Haltung der Mastputen hat das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) kurz vor dem Jahreswechsel vorgelegt. Zentrale Elemente sind die Reduktion der Besatzdichten, Anforderungen an die Strukturierung der Haltungsumwelt sowie das Angebot von Aufbaumöglichkeiten und Beschäftigungsmaterial. Gefordert wird für das Halten und Betreuen von Mastputen auch ein Sachkundenachweis. Dem Papier zufolge soll die max. erlaubte Besatzdichte für männliche Puten auf 40 kg Lebendgewicht (LG) bzw. 1,9 Tiere pro m² begrenzt werden. Für Putenhennen soll die Obergrenze künftig bei 35 kg LG oder 3,1 Tiere pro m² liegen. Für die ersten 5 Tage der Aufzucht wird eine Besatzdichte von max. 25 Tieren pro m² empfohlen, danach bis einschließlich der 5. Lebenswoche höchstens zehn Puten. Im Vergleich zu den derzeit üblichen Tierdichten in den Ställen würden diese Besatzdichten auf eine Verringerung der Putenzahl um rund ein Viertel hinauslaufen. Die vorgelegten Eckpunkte seien als eine „Diskussionsgrundlage und Basis“ für die Vorbereitung der geplanten Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung gedacht und formuliert, erklärte das Ministerium.

Die in dem Eckpunktepapier skizzierten Mindestanforderungen sollen für Betriebe mit 50 oder mehr Mastputen gelten. Ziel sei es, den Tierschutz nachhaltig und umfassend für alle Tiere zu verbessern, betonte das BMEL anlässlich der Vorlage der Eckpunkte. Die gegenwärtigen konventionellen Haltungsbedingungen bei Mastputen seien mit hohen Besatzdichten, schnellen Gewichtszunahmen und Folgeerkrankungen verbunden. Daneben stellten Federpicken und Kannibalismus ein fortbestehendes Problem dar, die Schnäbel würden „immer noch vielerorts routinemäßig“ kupiert, obwohl dies durch das Tierschutzgesetz verboten und nur in Ausnahmefällen zulässig sei.

Die BTK-Ausschüsse für Geflügel und Tierschutz haben zum Eckpunktepapier eine Stellungnahme erarbeitet, die auf der BTK-Homepage abrufbar ist.

· Quelle: AgE 52

· BMEL-Beitrag vom 29.12.2022

 

Umfrage: Augenerkrankungen beim Pferd

Mareike Becker (Tierärztin) promoviert aktuell an der Freien Universität Berlin, Abteilung Ophthalmologie, zum Thema Augenerkrankungen beim Pferd. Anhand von Umfragen und erhobenen Praxisdaten sollen unter Berücksichtigung von aktuellen rechtlichen Gegebenheiten Therapieschemata zur Behandlung von Augenerkrankungen beim Pferd erstellt werden.

Mit der Umfrage sollen neue Erkenntnisse zu Therapien von Augenerkrankungen erhalten bzw. Versorgungslücken oder Schwierigkeiten in der Therapieumsetzung aufgedeckt werden.

Selbstverständlich erfolgt jede Teilnahme anonym und unter Berücksichtigung aktueller Datenschutzbestimmungen.

Teilnahmedauer: ca. 20 – 30 Minuten  

Umfrage: https://vetepi.limesurvey.net/226394?lang=de

Rückfragen: pferdeklinik@vetmed.fu-berlin.de

 

Neue ESCCAP-Empfehlung zur Diagnose von Parasitosen bei Katzen, Hunden und Equiden

Im November 2022 ist die englischsprachige Empfehlung Nr. 4: „Parasitological Diagnosis in Cats, Dogs and Equines” der European Scientific Counsel Companion Animal Parasites (ESCCAP) erschienen. Sie richtet sich an Tierärzt:innen, die in ihren Praxen Diagnoseverfahren zum Nachweis von Parasiteninfektionen durchführen, als auch an solche, die regelmäßig Proben an externe Labore versenden.

Die Empfehlung ist in einzelne Kapitel unterteilt, die sich auf das zu untersuchende Probenmaterial und die verfügbaren Untersuchungsmethoden beziehen. Sie enthält zudem allgemeine Hinweise zur Entnahme von Proben, zum Umgang mit ihnen und zu ihrer Aufbewahrung.

Die neue Diagnostikempfehlung soll die bestehenden Empfehlungen nun ergänzen.

· ESCCAP-Empfehlung Nr. 4

 


Inhalte Deutsches Tierärzteblatt Februar 2023

 

Pferdehaltung

Das wissenschaftlich basierte Beratungstool BestTUPferd, das Dr. Miriam Baumgartner und Leonie Krüger hier vorstellen, hat zum Ziel, alle Systeme von Pferdehaltungen hinsichtlich Tiergerechtheit und ökologischer Nachhaltigkeit 1. schnell zu erfassen, 2. automatisiert zu analysieren und 3. Verbesserungspotenzial betriebsindividuell aufzuzeigen. Damit soll ein wesentlicher Beitrag zur Verbesserung des Tier- und Umweltschutzes in der Pferdehaltung geleistet werden.

 

Bestandsbetreuung

Der tierärztliche Berufsstand ist sich der Entwicklung und Vielfältigkeit der Integrierten Tierärztlichen Bestandsbetreuung (ITB) bewusst. Wie aber wird die ITB von der Klientel wahrgenommen? Wo sehen die Tierhaltenden Vor- und Nachteile? Führt ITB zu einer besseren Herdengesundheit bzw. -leistung? Was wird geschätzt und was kritisch betrachtet? Diesen Fragestellungen ging ein Forschungsprojekt anhand einer Onlineumfrage unter Milchkuhhaltenden nach. Die Ergebnisse sind hier von Dr. Jenny Ries, Dr. K. Charlotte Jensen, PD Dr. Roswitha Merle et al. kurz zusammengefasst.

 

 

Termine 2023

 
6. Februar BTK-Ausschuss für Versuchstierkunde

Videokonferenz

14. Februar BTK-Präsidium

Berlin

23. Februar AG „Telemedizin“

Videokonferenz

27. Februar  BTK-Ausschuss für Berufs- und Standesrecht, Geschichte und Ethik

Videokonferenz

23./24. März Erweitertes Präsidium

Berlin

24./25. März

Frühjahrs-Delegiertenversammlung Berlin

5. April

BTK-Ausschuss für Pferde Berlin

22./23. Mai 

Geschäftsführerkonferenz der BTK-Mitgliedsorganisationen Potsdam

5. Oktober

Erweitertes Präsidium Berlin

6./7. Oktober

Herbst-Delegiertenversammlung Berlin



Termine ATF-Fortbildungen/Gemeinschaftsveranstaltungen

Präsenzveranstaltungen

Online-Fortbildungen

 

 

Bleiben Sie gesund!

 

Mit freundlichen Grüßen
Ihre BTK-Geschäftsstelle

 

*Quellen der jeweiligen Artikel sind die angegebenen Links.