Aktueller Rundbrief: Ausgabe 8 – August 2022

Hier steht Ihnen der monatliche Rundbrief der BTK-Geschäftsstelle mit Aktuellem rund um die Bundestierärztekammer und den tierärztlichen Beruf zur Verfügung.

 

GOT-Novelle tritt am 22. November 2022 in Kraft

Am 22. August wurde die Novelle der Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (GOT) im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Die neue Verordnung ist vom 22. November 2022 an gültig.

Das Gebührenverzeichnis ist nun neugestaltet und soll eine bessere Verständlichkeit gewährleisten. Auch im Paragrafenteil hat es wichtige Änderungen gegeben. Zum einen müssen juristische Personen (GmbHs) nun auch die GOT anwenden, zum anderen ist es verpflichtend, Wegegeld zu berechnen. Außerdem muss für die Fälligkeit eine tierärztliche Rechnung erstellt und dem/der Tierhalter:in ausgehändigt werden. Dabei muss jeder Verrichtung die zugehörige Nummer des Leistungsverzeichnisses hinzugefügt werden.

Zur Kommunikation der Gebührenanpassung hat die BTK verschiedene Informationsblätter erstellt:

· Information für Tierarztpraxen

· Information zur GOT-Novelle für Patientenbesitzer:innen

· Allgemeine Informationen zur GOT für Patientenbesitzer:innen

Die ATF plant zudem am 26. Oktober 2022 unter www.myvetlearn.de ein kostenfreies Online-Seminar mit Informationen zur Kommunikation und Anwendungshinweisen.

Weitere Informationen zur GOT: https://bundestieraerztekammer.de/tieraerzte/beruf/got/

· Pressemitteilung „Endlich: Gebührenordnung neu strukturiert“ (30.08.2022)

 

BbT fordert bessere Vergütung für amtliche Tierärzt:innen

Auf dem Land sind immer weniger Veterinärmediziner:innen in einer Nutztierpraxis tätig. Wie der Bundesverband der beamteten Tierärzte (BbT) mitteilte, gefährdet der eklatante Personalmangel mittlerweile auch die amtliche Schlachttier- und Fleischuntersuchung, die sich auf eine immer geringere Zahl von Tierärzt:innen verteilt. In einer Abwärtsspirale führe der Personalmangel zu längeren, nicht bezahlten Anfahrtszeiten, sodass die Vergütung bei Schlachtungen mit geringen Stückzahlen rasch weit unter dem Niveau des Mindestlohns liege und höchst unattraktiv werde. Dies schrecke auch den Nachwuchs ab. Notwendig seien deshalb Änderungen des Tarifvertrags zur Fleischuntersuchung, um Anreize für solch eine amtliche Tätigkeit zu schaffen. So müsse sich z. B. die durch das Recht der EU definierte Aufgabe der Überwachung des Tierschutzes und der Schlachthygiene auch im Tarifvertrag wiederfinden.

BbT-Präsident Dr. Holger Vogel mahnte zudem an, dass sich die Vergütungssituation bei der Fahrzeit zu und von den Schlachtstätten verbessern müsse, wobei Großbetriebe aufgrund der hohen Stückzahlen auszunehmen seien. Darüber hinaus müssten die Rüstzeiten für das An- und Ablegen der Schutzkleidung sowie fachlich erforderliche Fortbildungszeiten und alle damit in Zusammenhang stehenden Kosten vergütet werden. Und die amtlichen Tierärzt:innen in großen Schlachtunternehmen müssten bei Stilllegung des Betriebs finanziell abgesichert werden. Hier wird vom BbT eine Entgeltfortzahlung bei ganztägigem Arbeitsausfall infolge von Betriebsstörungen oder behördlicher Maßnahmen bis zu einer Dauer von 6 Wochen vorgeschlagen.

Diese Anpassungen, meint Vogel, seien erforderlich, um auch in Zukunft ein hohes Niveau an gesundheitlichem Verbraucherschutz und Tierschutz in einer regionalen und kleinteiligen Lebensmittelproduktion in Deutschland zu gewährleisten.

· BbT-Pressemitteilung „Eklatanter Personalmangel gefährdet Tierwohl in Schlachtbetrieben und regionale Lebensmittelproduktion“ (01.08.2022)

· Quelle: AgE 32

 

Hormonhaltige Humanarzneimittel können Nebenwirkungen bei Tieren verursachen

Hormonhaltige Salben, Gels oder Sprays werden von Frauen und Männern als transdermale Hormonersatztherapie auf die Haut aufgetragen. Durch engen Körperkontakt zwischen Mensch und Tier sowie durch Ablecken können aufgetragene Sexualhormone (Östrogene, Testosteron) jedoch in die Tiere gelangen und Nebenwirkungen verursachen, die das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) jetzt publiziert haben (https://www.bvl.bund.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/05_tierarzneimittel/2022/2022_PM_Humanarzneimittel-Katzen.html).

Katzen seien dabei besonders gefährdet. Wenn diese sich nach engem Körperkontakt putzen, könnten sie die Wirkstoffe auch oral aufnehmen, erklärt Dr. Ann Neubert, Tierärztin beim BVL. Sie reagieren besonders empfindlich auf Östrogene, die insbesondere Leberschäden verursachen. Langanhaltende Östrogenexposition in geringer Dosis kann wiederum zu Gewichtsverlust, verschlechtertem Allgemeinbefinden und Infektanfälligkeit führen.

Falls Tierhalter:innen Symptome bei ihren Haustieren feststellen, mit denen sie engen Körperkontakt hatten, sollte eine Tierarztpraxis aufgesucht werden. Besser bekannt sind typische Symptome einer Östrogenwirkung bei Hunden. Bei diesen treten z. B. symmetrische Haarlosigkeit und Zitzenschwellungen auf, Hündinnen können anhaltende Läufigkeit, Wiedereinsetzen der Läufigkeit trotz Kastration oder Gebärmuttervereiterungen zeigen. Bei Rüden kann es zu einem verkleinerten Penis, sexueller Attraktivität für andere Rüden und Verhaltensänderungen kommen.

Besteht der Verdacht auf einen möglichen Zusammenhang zwischen den Krankheitssymptomen des Tieres und der Anwendung eines hormonhaltigen Arzneimittels beim Menschen, sollte dies an das BVL gemeldet werden (www.vet-uaw.de).

Es gibt zu diesem Thema auch eine Meldung im Septemberheft des Deutschen Tierärzteblatts S. 1174 „Akzidentelle Übertragung topisch angewandter Humanarzneimittel auf Haustiere".

 

Umfrage zu Erfahrungen im Umgang mit tierschutzrelevanten Vorfällen im Berufsalltag

In einem Promotionsvorhaben an der Professur für Tierschutz der Justus-Liebig-Universität Gießen wird in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Stephanie Krämer die Eignung der aktuellen nationalen Tierschutzgesetzgebung für die Umsetzung tierschutzrechtlicher Vorgaben untersucht. Die Arbeit konzentriert sich auf die Haltung von Haustieren (Heimtiere und landwirtschaftlich genutzte Tiere).

Mittels Onlinefragebögen sollen jeweils die Erfahrungen praktizierender Tierärzt:innen (Konfrontation mit tierschutzrelevanten Sachverhalten im Berufsalltag) sowie amtlicher Tierärzt:innen (Eignung der Tierschutzgesetzgebung für den Tierschutzvollzug) erhoben werden. Ziel ist es, einen Handlungsleitfaden für Tierarztpraxen zu formulieren, der Sicherheit im Umgang mit tierschutzrelevanten Vorfällen im Berufsalltag bietet. Die Befragung erfolgt anonym und lässt keinerlei Rückschlüsse auf die befragte Person zu.

 

Zur Umfrage für praktizierende Tierärzt:innen: https://survey.hrz.uni-giessen.de/index.php/242253?lang=de

Zur Umfrage für amtliche Tierärzt:innen: https://survey.hrz.uni-giessen.de/index.php/265822?lang=de

Ihre Ansprechpartnerin für Fragen und Anregungen: Lisa Dierßen, Lisa-Alina.Dierssen@vetmed.uni-giessen.de

 

Entwurf zur Änderung des Tierarzneimittelgesetzes

Die Menge der in Deutschland von pharmazeutischen Unternehmen und Großhändlern an Tierärzt:innen abgegebenen Antibiotika ist dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zufolge im Jahr 2021 merklich zurückgegangen. Es wurden insgesamt 601 t Antibiotika an Tierärzt:innen abgegeben – 100 t weniger als im Vorjahr (minus 14,3 Prozent). Das ist die deutlichste, erfasste Abnahme der Abgabemengen seit 2016. Im Vergleich zu 2011, dem ersten Jahr der Erfassung, bedeutet dies einen Rückgang der insgesamt abgegebenen Antibiotikamenge um 65 Prozent.

Wie das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) mitteilte, hat das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf zur Änderung des Tierarzneimittelgesetzes beschlossen, mit dem im Wesentlichen die Aktualisierung und Erweiterung des nationalen Antibiotika-Minimierungskonzepts implementiert wird, um den wirkstoff- und anwendungsbezogenen Einsatz von Antibiotika in landwirtschaftlichen Betrieben besser zu erfassen und dauerhaft zu senken. Demnach soll die Verwendung von Antibiotika auch bei allen Betrieben mit Milchkühen, Jung- und Legehennen, Sauen mit Saugferkeln sowie mit Kälbern erfasst und systematisch reduziert werden, wobei die Vorschriften zur Antibiotikaminimierung gelten. Zudem sollen die Behörden vor Ort künftig gesetzlich verpflichtet sein, Anordnungen und Maßnahmen zu treffen, wenn dies zur Verringerung des Antibiotikaeinsatzes in einem tierhaltenden Betrieb erforderlich ist. Für Colistin, Fluorchinolone und Cephalosporine der 3. und 4. Generation soll außerdem ein Gewichtungsfaktor in das Antibiotika-Minimierungskonzept aufgenommen werden, um die Anwendung dieser Antibiotika mit kritischer Bedeutung für die Humanmedizin auf das unvermeidbare Minimum zu reduzieren.

Zudem werden laut Ministerium mit der Änderung Regelungen zur Durchführung von EU-Recht, wie der EU-Tierarzneimittelverordnung, erlassen. Demnach müssen die Mitgliedstaaten ab 2024 jährlich umfassende Daten zur Anwendung von Antibiotika bei Tieren an die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) übermitteln. Darüber hinaus wird die Zulassung und Anwendung bestimmter Antibiotika bei Tieren untersagt, deren Wirkstoffe der Behandlung bakterieller Infektionen beim Menschen vorbehalten bleiben sollen. Nicht mehr zur Behandlung von Tieren eingesetzt werden dürften dann u. a. Carboxy- und Ureidopenicilline, Kombinationen von Cephalosporinen mit β-Lactamase-Inhibitoren sowie Glycopeptide und Makrozykline.

Das Berliner Agrarressort setze sich außerdem auf EU-Ebene dafür ein, dass ausstehende Regelungen schnellstmöglich auf den Weg gebracht würden, die weitere europaweite Restriktionen für die Antibiotikaanwendung bei Tieren vorsehen. Für eine nachhaltige Verringerung der Einsatzmengen brauche es grundsätzlich auch eine artgerechtere und damit nachhaltigere Tierhaltung. Deshalb treibe das Ministerium den Umbau der landwirtschaftlichen Tierhaltung voran.

· Tabelle: Vergleich der Antibiotikaabgabemengen bezogen auf die Wirkstoffklassen 2011 bis 2021 (BVL)

· Quelle: AgE 31

 

Neufassung der „Leitsätze für Fleisch und Fleischerzeugnisse“

Die von der Deutschen Lebensmittelbuch-Kommission (DLMBK) verabschiedete Neufassung der „Leitsätze für Fleisch und Fleischerzeugnisse“ ist ab sofort auf der Homepage der DLMBK und des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) als PDF-Datei abrufbar.

Die Leitsätze werden in sieben produktbezogenen Fachausschüssen ausgearbeitet und aktualisiert, sind aber keine Rechtsvorschriften, sondern ergänzen diese als antizipierte sachverständige Gutachten. Die Leitsätze werden von der DLMBK grundsätzlich einstimmig beschlossen und vom BMEL im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie veröffentlicht.

 


Inhalte Deutsches Tierärzteblatt September 2022

 

Tierschutz

Im Juni fand die 4. Jahrestagung der Tierärztlichen Plattform Tierschutz (TPT) statt. Neben dem Tierschutz an Schlachthöfen stand die Arbeitssituation von Tierärzt:innen in der amtlichen Schlachttier- und Fleischuntersuchung im Fokus. Ein Bericht von Almut Niederberger und Prof. Dr. Thomas Blaha.

Austausch

Ein deutsch-chilenisches Projekt, das hier von Dr. Ellen Stähr vorgestellt wird, verbindet das Ziel einer verantwortungsvollen Tierhaltung in Chile mit Fragen der dortigen, öffentlichen Gesundheit und des Umweltschutzes.

Antibiotika

Zum sorgfältigen Umgang mit Antibiotika gehört es u. a., die Ausbildung von Resistenzen zu verhindern. Hierbei kommt der Empfindlichkeitsprüfung bakterieller Infektionserreger mittels Bouillon-Mikrodilution in der Routinediagnostik eine besondere Bedeutung zu. Die vom DVG-Arbeitskreis „Antibiotikaresistenz“ zusammengestellten Mikrotiterplattenlayouts wurden nun aktualisiert und werden hier von Dr. Andrea Feßler et al. vorgestellt.

Serie Pharmakovigilanz

In dieser Folge der gemeinsamen Serie des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) stellt das PEI die Analyse der Meldungen unerwünschter Ereignisse nach Anwendung von immunologischen Tierarzneimitteln für das Jahr 2021 vor.

 

Termine 2022

13. September Erweitertes Präsidium

Berlin

14. September Herbst-Delegiertenversammlung

Berlin

14. September ATF-Mitgliederversammlung/Beiratssitzung

Berlin

15./16. September 29. Deutscher Tierärztetag

Berlin

Termine 2023

 
23./24. März Erweitertes Präsidium

Berlin

24./25. März

Frühjahrs-Delegiertenversammlung Berlin

5./6. Oktober

Erweitertes Präsidium Berlin

6./7. Oktober

Herbst-Delegiertenversammlung Berlin



Termine ATF-Fortbildungen/Gemeinschaftsveranstaltungen

Präsenzveranstaltungen

Online-Fortbildungen

 

 

Bleiben Sie gesund!

 

Mit freundlichen Grüßen
Ihre BTK-Geschäftsstelle

 

*Quellen der jeweiligen Artikel sind die angegebenen Links.